Am 4. März 1966 wurde John Lennon (1940-1980), der mit seiner Band, den »Beatles«, gerade auf dem Höhepunkt ihres Ruhms stand, in seinem Heim in Kenwood, St. George’s Hill (Weybridge) für eine Reihe von Artikeln mit dem Thema »Wie lebt ein Beatle« im London Evening Standard von Maureen Cleave interviewt. Dabei sagte er u.a. folgendes:

»Das Christentum wird vergehen. Es wird verschwinden und schrumpfen. Darüber brauche ich nicht zu diskutieren; ich habe recht und ich werde recht behalten. Wir sind gerade populärer als Jesus; ich weiß nicht, was zuerst dahinscheiden wird – Rock ’n’ Roll oder das Christentum. Jesus war in Ordnung aber seine Jünger waren dumm und einfältig. Ihr Verdrehen verdirbt es mir.«[4][6]

(Quelle: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Popul%C3%A4rer_als_Jesus#cite_note-gould208-4; dort zitiert nach: Maureen Cleave: The John Lennon I knew. 2005 (telegraph.co.uk [abgerufen am 5. August 2014]); Jonathan Gould: Can’t Buy Me Love: The Beatles and America. Piatkus, 2008, ISBN 978-0-7499-2988-6, S. 208.

Nachfolgend noch das englische Original:

»Christianity will go. It will vanish and shrink. I needn’t argue about that; I’m right and I’ll be proved right. We’re more popular than Jesus now; I don’t know which will go first – rock ’n‘ roll or Christianity. Jesus was all right but his disciples were thick and ordinary. It’s them twisting it that ruins it for me.« [3][10]

Quelle: Wikipedia, https://en.wikipedia.org/wiki/More_popular_than_Jesus; dort zitiert nach: Maureen Cleave: The John Lennon I knew. 2005 (telegraph.co.uk [abgerufen am 5. August 2014]); Jonathan Gould: Can’t Buy Me Love: The Beatles and America. Piatkus, 2008, ISBN 978-0-7499-2988-6, S. 208.

Dieser im Nachhinein sehr umstrittene Satz löste nach seiner Veröffentlung im Vereinigten Königreich keine, in den USA aber starke öffentliche Reaktionen aus, die teilweise groteskte Formen annahmen.

Besser wäre es in diesem Kontext für einige wahrscheinlich gewesen, sich den Rat eines Mitglied des Hohes Rates zu Herzen zu nehmen, wie er im Neuen Testament, in der Apostelgeschichte aufgeschrieben ist:

»Ist dies Vorhaben oder dies Werk von Menschen, so wird’s untergehen; ist’s aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten – damit ihr nicht dasteht als solche, die gegen Gott streiten wollen.« ( Apg 5,38-39)

John Lennon hat eine Behauptung getätigt, man könnte schon fast sagen eine Prophezeiung, an der er gemessen werdern muss. Heute, 54 Jahre später, ist es schon möglich, etwas zur Validität, das heißt, zur Gültigkeit seiner Aussage, sagen zu können. Ist der Rock ’n’ Roll zuerst dahingeschieden oder das Christentum? Oder welche Anzeichen diesbezüglich sind zu erkennen? Ist John Lennon, zu seiner Zeit in gewissen Kulturkreisen (vorrangig der westlichen Welt) und Ländern sicherlich enorm berühmt, wirklich populärer als Jesus? War es damals und ist er heute? Die teils übertriebenen und bedenklichen Reaktionen in den USA haben vielleicht deutlich gemacht, dass seine Aussage, populärer zu sein als Jesus, vielleicht für das Vereinigte Königreich oder auch Teile Europas zutraf, aber was die Staaten anbetraf, war dies zumindest fraglich, ganz zu schweigen von Kulturkreisen in Asien, Afrika und Südamerika, in den die westliche Kultur noch keinen so starken Einzug genommen hatte oder, auch aus ideologischen Gründen, verpönt bzw. verboten war.

54 Jahre nach diesem Zitat, haben John Lennon und die Beatles schon lange den Zenit ihres Ruhms überschritten und ihre Berühmtheit, besonders unter jüngeren Generationen hat drastisch abgenommen. Auch der Rock ’n’ Roll wurde in seiner Bedeutung als Musikstil sukzessive abgelöst von anderen, jüngeren Stilen, die von ihm beeinflusst wurden, teilweise sogar noch den Namen trugen, aber anders waren als das, was John Lennon noch als Rock ’n’ Roll kannte. Heute ist er eine Musikrichtung von vielen. Wenn auch die »Oldies« und Rock ’n’ Roll immer noch gehört werden, so haben beide ihre damalige Berühmtheit und Bedeutung verloren.

Das Christentum ist dagegen immer noch präsent, genauso wie die Bibel. Manche Kirchen, gerade in der westlichen Welt, mögen stagnierende oder sinkende Mitgliederzahlen haben, aber das heißt nicht, dass das Christentum verschwunden oder geschrumpft wäre, denn während der Säkularismus in Europa und inzwischen auch in den USA den Kirchen unbestreitbar seinen Tribut abfordert, steigen in anderen Teilen der Erde ihre Mitgliederzahlen. Jesus und mit ihm die Bibel sind fast weltweit bekannt, ja berühmt könnte man sagen, selbst bei Menschen, die ihn ablehnen als den von Gott Gesandten, in ihm nur einen guten Menschen, einen Propheten, eine Erfindung seiner Jünger oder einen Scharlatan sehen.

Von Jesus ist in drei Evangelien folgende Aussage festgehalten worden: »…  [M]eine Worte werden nicht vergehen.« (MT 24,35; MK 13,31; LK 21,31

So stehen zwei »Prophezeiungen« nebeneinander, eine von Jesus Christus, aufgeschrieben vor ca. 2000 Jahren, und eine von John Lennon, getätigt vor  54 Jahren. So wie jede Prophezeiung daran zu messen ist, ob sie wirklich eintrifft, können beide nun gegeneinander aufgewogen werden und jeder kann für sich selbst überlegen, welche der beiden Aussagen, zumindest soweit wir das bis jetzt beurteilen können, genauer oder zutreffenderer war, bzw. welcher von beiden ein »falscher Prophet« ist.

 von Tina Eißner, 24.10. 2020